Verlängerung des „Lockdown light“:

für die Fitnessbranche ein harter Schlag ins Gesicht

 

Landsberg am Lech, 26.11.2020: Unternehmer aus der clever fit Gruppe haben in allen deutschen Bundesländern gegen die Novemberschließungen geklagt und mittels Eilverfahren versucht, eine baldige Wiedereröffnung der rund 400 betroffenen deutschen Anlagen zu bewirken – bislang leider ohne Erfolg. Und damit nicht genug: Auch nach Ablauf des ursprünglich bis Ende November verhängten Lockdowns müssen die Fitnessstudios geschlossen bleiben. Die groß angekündigten „Novemberhilfen“, mit denen die wirtschaftlichen Schäden des zweiten Lockdowns kompensiert werden sollten, sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

 

Mit dem Zusatz „light“ wollte die Politik dem am 02.11. in Kraft getretenen zweiten Lockdown den Schrecken nehmen. Für die Fitnessbranche sind die Folgen der erneuten Schließung alles andere als „light“. Als im März das öffentliche Leben zum ersten Mal heruntergefahren wurde, hielten noch viele der rund 12 Millionen deutschen Fitnessstudiomitglieder solidarisch zu ihren Studios. Dank ausgeklügelter Hygienekonzepte und konsequenter Befolgung der behördlich angeordneten Maßnahmen konnten das Vertrauen der Mitglieder zurückgewonnen und sogar einige Neuinteressenten für das Training im Studio begeistert werden. Ein Kraftakt für jeden einzelnen Studiobetreiber, der aber vorsichtigen Optimismus zuließ: Im September verzeichneten die Studios eine Auslastung nahe dem Vorjahresniveau und sahen eine realistische Chance, die Einbußen, die die Schließungen im Frühjahr mit sich brachten, in der bevorstehenden Hauptsaison halbwegs ausgleichen zu können. Allein in den insgesamt rund 460 zu clever fit gehörenden Studios sind um die 7.000 MitarbeiterInnen beschäftigt, viele davon als Aushilfen. Der Großteil konnte seinen Job behalten oder zumindest zur Wiedereröffnung wieder aufnehmen. Dieses Mal sieht es anders aus: Nachdem die erneuten Schließungen bekannt gegeben wurden, stiegen die Kündigungszahlen massiv an. Viele der Mitglieder wollten (oder konnten) nicht weiterhin für eine Leistung bezahlen, die man ihnen aufgrund der aktuellen Vorschriften nicht dauerhaft garantieren kann.

 

Rechtliche Schritte bislang vergebens

Die Eilverfahren, mit denen man sich bei clever fit in allen 16 deutschen Bundeslänger gegen die selektiven Betriebsschließungen stemmen wollte, wurden allesamt abgewiesen. Warum es ausgerechnet eine Branche trifft, die zu keiner Zeit nachweisbarer Treiber der Pandemie war, die Konzepte zur Minimierung des Ansteckungsrisikos vorgelegt hat, von denen der Einzelhandel nur träumen kann und die eine nicht unwesentliche Rolle in der Gesundheitsförderung der Bevölkerung spielt, beantworteten die Gerichte bislang nicht. Manche von ihnen äußerten allerdings Zweifel an der Rechtmäßigkeit der seit Anfang November für ausgewählte Wirtschaftszweige geltenden Maßnahmen. Dies bedeutet, dass in den Hauptsacheverfahren, die parallel zu den Eilverfahren geführt werden, noch abweichende Entscheidungen getroffen werden könnten. Darüber hinaus wurde eine im Rahmen eines von clever fit begleiteten Verfahrens beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe eingelegte Verfassungsbeschwerde angenommen. Immerhin ein kleiner Hoffnungsschimmer dafür, dass die Branche vielleicht bei künftigen Entscheidungen ernster genommen wird und die Rahmenbedingungen für weitere Schließungen überdacht werden müssen – auch wenn derzeit noch nicht prognostiziert werden kann, inwieweit die Beschwerde erfolgreich sein wird.

 

Hilfspakete können Vertrauensverlust in die Branche nicht auffangen

Die angekündigten „Novemberhilfen“ können jedenfalls nicht verhindern, dass viele Studiobetreiber nun vor einer wirtschaftlichen Katastrophe stehen – und zwar alles andere als „light“. So könnten zwar unter Umständen 75% des sich aus den erneuten Betriebsschließungen ergebenden Umsatzverlustes kompensiert werden, die Vorsicht in der Bevölkerung und die damit einhergehenden Rückgänge an Neuverträgen können dadurch nicht aufgefangen werden. Das bestätigt auch Birgit Schwarze, Präsidentin des Arbeitgeberverbands deutscher Fitness- und Gesundheitsanlagen DSSV e.V. gegenüber dem MDR: „Bei einem Altersschnitt der Studiobesucher von um die 40 sind – das ist reine Mathematik – viele ältere dabei. Diese sind besonders verunsichert. Keine Fitnessanlage in Deutschland hat denselben Kundenbestand wie vor einem Jahr. Hinzu kommt, dass die Mitgliederverluste bei vielen Unternehmen so massiv sind, dass die angelaufenen Hilfen bis hin zu Krediten die Probleme der Zukunft kaum lösen können. Und der Winter mit Vorsicht und Abstand steht ja erst bevor und das rettende Ufer Impfung ist noch weit. Umso mehr ärgert es die Branche, dass sie trotz aller auch nicht ganz billigen Hygienemaßnahmen schon wieder dicht machen musste.“

 

Fitnessstudios kämpfen ums Überleben

Die clever fit GmbH, die als Franchisegeber rund 230 Studiobetreiber unter einer Marke vereint, plant unterdessen die Wiedereröffnung – auch wenn derzeit in den Sternen zu stehen scheint, wann das sein wird: „Auch wenn sich viele unserer Mitglieder das kaum vorstellen können, wir erfahren von den uns betreffenden Beschlüssen größtenteils auch erst aus den Medien und stellen uns täglich aufs Neue der Herausforderung, unsere Franchisenehmer sofern es geht auf sämtliche Eventualitäten vorzubereiten. Seit Beginn der Pandemie haben wir die Themen Hygiene und Sicherheit ganz oben auf unserer strategischen Agenda, daran halten wir natürlich weiter fest. Die Tatsache, dass wir in keinem unserer Studios während der geöffneten Monate einen „Corona-Hotspot“ hatten, hat uns nur bestärkt, unsere Standards dahingehend weiter auszubauen. Fitnessstudios sollen Orte bleiben, an denen man etwas für seine Gesundheit tut und diese nicht etwa einem unnötigem Risiko aussetzt“ betont Riccardo Christ, COO der clever fit GmbH, sieht die nächsten Monaten aber als Zerreißprobe für viele Studios: „Wir haben uns bei clever fit auf die Fahne geschrieben, jeden – egal welchen Alters, Geschlechts oder Fitnesslevels – beim Erreichen seines individuellen Trainingsziels zu unterstützen. Dabei legen wir besonderen Wert auf die Qualifikation unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie auf den persönlichen Kontakt zu den Mitgliedern. Die Dienstleistung, für die wir als Marke stehen, können wir weder online noch „to go“ anbieten. Wenn wir weiter Mitglieder verlieren – und das wird unter den aktuellen Umständen nicht vermeidbar sein – wird es für viele Studiobetreiber eng. Nur weil wir prinzipiell berechtigt sind, während der geschlossenen Monate weiterhin Beiträge zu erheben, so bedeutet das nicht, dass keine Umsatzausfälle entstehen. Sie treten lediglich zeitverzögert ein, und zwar dann, wenn wir die Gutschriften, die wir unseren Mitglieder für die entgangene Trainingszeit ausgestellt haben, einlösen.“

 

Dauer der Schließungen noch ungewiss

Auch wenn sich die Infektionszahlen derzeit zu stabilisieren scheinen, so sind sie dennoch auf hohem Niveau. Bund und Länder haben sich deshalb gestern auf einen längeren und härteren Teil-Lockdown verständigt, der ursprünglich Ende November hätte enden sollen und nur über die Weihnachtsfeiertage kleine Ausnahmen in Sachen Kontaktbeschränkungen erlaubt. Während die englische Regierung offenbar die Bedeutung des Sports für die Gesundheit der Bevölkerung erkannt hat und Fitnessstudios abhängig vom regionalen Infektionsgeschehen zeitnah wieder öffnen dürfen, äußert sich hierzulande bislang niemand der Verantwortlichen konkret dazu, ab wann Indoor Sport wieder möglich sein könnte. Wie sich die Fitnessbranche, die eigentlich einen so wertvollen Präventionsbeitrag leistet und ihre Hausaufgaben in Sachen transparenter Kontaktverfolgungsmöglichkeiten, Sauberkeit und Hygiene konsequent macht, unter diesen Umständen langfristig über Wasser halten soll, bleibt damit mehr als ungewiss.

 

Kontakt